Bernd Straub-Molitor - Gedichte
 

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Ein & Alles

Mein Gedicht ist bloß dies
letzte Zündholz entfacht um
den Fluß vom Eis zu befreien
der Sprung durch den Spiegel
im blinden Vertrauen auf
seine Unsichtbarkeit
eine Handvoll Luft gegen
den Wind geworfen für
die milden Lichter deiner Augen

wie lange schon sehe ich deine
Haarnadeln immerzu fallen in
die Tiefen magnetischer Wälder
mit abgerissenen Händen
grabe ich dort nach dem
einen hellen reinen Wort
dem Wort das deine Seele
berührt wie vor Jahr und Tag
wie vor allen Dingen

Deich aus Wasser

Langmähnige Pferde schleifen
den Mondschaum durch die Straßen
ihr Hufschlag nagelt Eulen
ans Kreuz der Turmuhr
Nachtwind eine Schmetterlingsplage
spielt mit Lamellen des hungrigen Schlafs
Hand durchs Haar auf dem Meeresgrund
was gestern war liegt fern wie das Tertiär
eingeschlossen im Kristall des Erinnerns



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