Bernd Straub-Molitor - Gedichte
 

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Fluss über die Brücke

Es ist halb Mond
Milch der Schatten
Schleife im Haar der Nacht
hier schlafe ich
in deinen Kleidern
wie trunkenes Wasser
unter dem Wasser



Verirrtes Labyrinth

Und nach all den
Jahren und Tagen Liebste
die vor uns und hinter uns liegen
werde ich dich so gut kennen
wie der Uhrmacher die Zeit

So weit ich sehe

Hier wo ich mich so wenig auskenne
wie in meiner Westentasche
kreisen gußeiserne Vögel
unter einem Himmel aus Panzerglas
werfen langsame Flugzeuge
immerfort Blumen ab über dem Meer
hat auf dem weißen Tischtuch
der Wind ein Weinglas umgestoßen
ohne es zu zerbrechen

Hier wo die Nacht den Sternen
ein frostiger Hafen ist
verbrennt in emaillierten Wannen
ertrunkenes Wasser
wurzeln Schränke voller Äxte
tief in versiegelten Kellern
schlage ich gläserne Nägel
ins Eis der Spiegel
verberge mich hinter
dem Vorhang des Schlafs
vor dem Licht kälter als Frauen
lasse mich treiben gegen den Strom
mein goldenes Vlies
ein Fell das davonschwimmt

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