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Was sie schon immer über Gonos wissen wollten


Jeannine Bruno - Biographie, 1998
Will man etwas über Gonos und ihre Bedeutung erfahren, muß man sich zunächst der unberechneten Tatsache stellen, daß es keinen Sürrealismus gab.
Der Sürrealismus war weder eine Kunstrichtung, eine Idee, noch eine Ideologie, und er hatte folglich auch keine Historizität.
Gonos ist das manifestierte Undenkbare und entzieht sich jeglicher Kontrolle. Damit steht sie jedem bisher denkbaren gesellschaftlichen System entgegen.
Geboren wird Gonos durch eine tiefgreifende innere Revolte in der Psyche. Hat sich die gonossale Psyche einmal entpuppt, ist es für sie nicht leicht, in einer geregelten Konsumgesellschaft zu überleben und sich weiterzuentwickeln. Denn sie wird weder respektiert noch gefördert, auch nicht geliebt. Sie wird höchstens geduldet und an den Rand verdrängt.
Ob am Rand oder mitten in der Gesellschaft, die gonossale Psyche entfaltet ein poetisches Leben, in dem sie die Entfremdung und den Mangel an allgemeiner Aufmerksamkeit ihrer Gesellschaft entlarvt und dabei ihre ureigensten Rituale entwickelt, die dem Unbewußten-Bewußten Raum geben und es sinnlich wahrnehmbar machen. Aus manchen Ritualen entstehen Kunstwerke und Künstlerbewegungen.
Man kann nicht sagen, Gonos sei erst Ende des letzten Jahrhunderts entstanden, vielmehr wurde für eine schon immer mehr oder weniger ausgelebte seelische Verfassung ein Begriff gefunden .
Die Surrealisten hatten eine gute Methode, sich dem Undenkbaren zu nähern. Das automatische Schreiben, Malen etc. diente ihnen als Vehikel bei ihren Reisen. Durch diese Methode war es ihnen möglich, ihren polarisierten Intellekt zu überwinden und damit ihren kreativen Kräften ungefiltert freien Lauf zu lassen. So sind Werke entstanden, die keinen gesellschaftlichen oder ästhetischen Maßstäben gerecht werden wollten, sondern die stattdessen authentische Gefühle und Assotiationen preisgaben, die so die gewohnten Lebensformen in Frage stellten.
Gonos, egal, ob sie sich in Kunstwerken oder in poetischen Handlungen manifestiert, ist nur den Menschen zugänglich, die ihre Kontrollmechanismen, ihre Verdrängungen, ihre erlernten Erinnerungen überwunden haben und - wie in einem Spiel - ihre reinsten Instinkte aufmerksam fühlen und leben lassen.
Ich habe eine gonossale Psyche, die immer einen Ausdruck sucht, weil sie sich niemals verflüchtigen kann. Insofern ist ein Werk, das aus ihr geboren wird, immer existentiell; es richtet sich nach nichts, außer nach dem Innersten.


Jeannine Bruno


© Jeannine Bruno 1999




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