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Im November 2002 feiert der Künstler Dieter Joachim Jessel aus
Süderhöft / Nordfriesland seinen 70. Geburtstag. Die Stiftung
Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf nimmt dieses
Jubiläum zum Anlass, den Künstler mit einer Ausstellung zu ehren.
Vom 17. November 2002 bis zum 2. Februar 2003 werden im Studio, dem
neuen Ausstellungsraum in der Galerie der Klassischen Moderne, rund
25 Ölgemälde und grafische Arbeiten präsentiert.
Im Schatten der Asche
Das Jahr 2000 bildete in persönlicher wie in künstlerischer
Hinsicht einen tiefen Einschnitt für Dieter Joachim Jessel, da bei
einem Brand seines Wohn- und Ateliergebäudes etwa 150 Gemälde und
damit vier Fünftel seines Lebenswerkes vernichtet wurden. In dieser
Ausstellung zum 70. Geburtstag des Künstlers werden zum einen einige
der wenigen Bilder aus den 90er Jahren gezeigt, die durch einen
glücklichen Zufall vom Feuer verschont geblieben sind. Darunter ist
auch das Gemälde Im Schatten der Asche, das Dieter Joachim Jessel in
den Jahren 1994/95 schuf. Durch den Brand hat der Titel dieses
Bildes auf makabere Weise eine neue und ganz besondere Bedeutung
gewonnen.
Zum anderen können Kunstwerke präsentiert werden, die in der Zeit
nach dem Brand entstanden sind. Die in den letzten zweieinhalb
Jahren entstandenen Ölgemälde und grafischen Arbeiten zeigen
nachdrücklich, dass die Katastrophe Jessels Energie und
Schaffenskraft nicht zum Erliegen bringen konnte.
Entdeckungsfahrten ins Unbewusste
Der Titel der Ausstellung - ein Zitat des großen Surrealisten Max
Ernst - spielt auf den kreativen Prozess an, in dem Dieter Joachim
Jessels Werke entstehen. Der Künstler beginnt seine Arbeit ohne fest
gefasste Vorstellungen von Thema und Komposition. Vielmehr lässt
sich Jessel von zufällig entstandenen Strukturen inspirieren, die er
durch das Eindrücken von Gegenständen auf der Leinwand bzw. auf dem
Papier erzielt. Diese Ein-Drücke auf der Leinwand beschwören
Erlebtes und Unbewusstes wieder herauf; sie lassen Eindrücke wieder
aufleben, die sich Dieter Joachim Jessel eingeprägt haben und die er
in einem oft Monate dauernden Prozess des Suchens und des Ausdeutens
bearbeitet.
Der Ausstellungsbeginn im November bietet sich nicht nur wegen
des Geburtstages des Künstlers an; auch die in Dieter Joachim
Jessels Bildern vorherrschende Thematik von Vergänglichkeit und Tod
passt in die dunkle Jahreszeit. Dies gilt gerade für den November,
der mit den Feiertagen Allerheiligen, Volkstrauertag und
Totensonntag seit langem ein Monat des Totengedenkens ist. Die von
Jessel geschaffenen Werke fordern ein genaues Studieren der häufig
kleinteiligen Darstellung mit ihrer Vielzahl von Einzelmotiven.
Jessels Bilderwelt zwingt den Betrachter zur Auseinandersetzung mit
dem Tod, mit der Vergänglichkeit, doch es ist kein plumpes Spiel mit
dem Schrecken, vielmehr wird das Grauen tiefgründig und ästhetisch
ansprechend präsentiert.
Entdeckungsfahrten ins Unbewusste - Dieter Joachim Jessel,
Malerei und Grafik
17. November 2002 bis 2. Februar 2003
Studio in der Galerie der Klassischen Moderne
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 16 Uhr; Samstag,
Sonntag und Feiertag: 10 bis 17 Uhr; 24., 25., 31. Dezember, 1.
Januar geschlossen
Katalog: 14,80 Euro Plakat: 5,50 Euro |