Pinakothek der Moderne, München 20. April – 15. Aug. 2010
»2010 findet ... die erste große Retrospektive des Künstlers statt. Etwa 120 – meist großformatige – Werke aus den Jahren 1993 bis 2010 künden vom Schaffen eines Künstlers, der in seinen höchst eigenwilligen Bildwelten der surrealistischen Tradition eine unerwartete Aktualität und Perspektive gewiesen hat. Waren es nach der politischen Wende und den ungeheuren gesellschafts-politischen Umbrüchen vor allem Szenerien, die vom Umbau der Landschaft kündeten wie von der Demontage einer artifiziell am Leben gehaltenen Wirtschaft, so bevölkerten bald danach Forscher, Künstler und paramilitärisch anmutendes Servicepersonal die Szenerien, wobei deren Aktionsradius nicht leicht zu decodierenden Vorgaben folgt. War das Werk bis Ende der 1990er Jahre an zeichnerischen Komponenten orientiert, so gewinnen danach der malerische Duktus und eine ausgeprägtere farbige Palette die Oberhand.«
Raum Bilder Klang 22. Nov .2009 – 21. März 2010
»Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt erstmals in einem deutschen Museum Kunstwerke des amerikanischen Kultregisseurs David Lynch, der für seine bildmächtigen Filme, wie ,Der Elefantenmensch', ,Blue Velvet', ,Wild at heart', ,Lost Highway' oder die Fernsehserie ,Das Geheimnis von Twin Peaks' bedeutende Auszeichnungen erhielt. Themen, Motive und Formenrepertoire seiner bildkünstlerischen Arbeiten und seiner Filme durchdringen sich wechselseitig. In der Ausstellung werden Gemälde, Aquarelle, Lithographien, Zeichnungen, Fotografien sowie eine Rauminstallation zu sehen sein. Parallel dazu präsentiert das Max Ernst Museum Brühl des LVR eine Reihe kaum bekannter Kurzfilme aus der Akademiezeit des Regisseurs...« Siehe auch vom 21.11.09.
28. Febr. 2009 – 31. Dez. 2010 Kunstmuseum Gehrke-Remund, Baden-Baden
»Ab 28. Februar 2009 ist im Kunstmuseum Gehrke-Remund die umfangreichste Frida Kahlo Sammlung aller Zeiten zu sehen. Über 100 Gemälde werden gezeigt.
Die Ausstellung erstreckt sich über rund 600 qm und ist in einer alten Emaillierfabrik in Baden-Baden untergebracht.
Neben den Gemälden, Kleider und Schmuck ist auch der Lebensmittelpunkt von Frida Kahlo, ihre Casa Azul (das Blaue Haus) zu erleben.«
10. Juli 2008 – bis auf weiteres Museum Scharf-Gerstenberg, Berlin
»Unter dem Titel ,Surreale Welten' werden mehr als 250 hochkarätige Werke der Surrealisten und ihrer Vorläufer gezeigt. Das Spektrum der Künstler reicht von Piranesi und Goya über Klinger und Redon bis zu Dalí, Magritte, Max Ernst und Dubuffet.
Die Sammlung Scharf-Gerstenberg besitzt ein klares inhaltliches Profil und zeichnet mit über 250 Gemälden, Skulpturen und Arbeiten auf Papier die Geschichte der phantastischen Kunst nach. Im Zentrum der Kollektion steht der Surrealismus, eine Bewegung zur Erneuerung der Kunst, deren Grundsätze 1924 in Paris durch André Breton in einem Manifest verkündet wurden.
Fast alle Mitglieder der Surrealistengruppe sind mit ausgewählten Arbeiten in der Sammlung vertreten. Größere Werkgruppen gibt es insbesondere von René Magritte, Max Ernst und Hans Bellmer, jedoch auch von Wols und Paul Klee. Die zentralen Bildstrategien des Surrealismus wie beispielsweise Kombinatorik, Metamorphose und reiner psychischer Automatismus werden durch zahlreiche meisterhafte Beispiele vor Augen geführt...«
Leonora Carrington: Die Windsbraut. Bizarre Geschichten.
Hamburg (Edition Nautilus) 2009
256 Seiten mit zahlreichen Abbildungen
»Als Schriftstellerin ist Leonora Carrington, die 'eigentlich' Malerin ist, im deutschen Sprachraum recht präsent: 1980 erschien ihr Roman Das Hörrohr (Neuauflagen 1986, 1989, 1992, 1995 und 2007, als Hörspiel 1990, als Hörbuch 2008), 1981 folgte der autobiografische Bericht Unten (Neuauflagen 1994, 2008), 1982 der Band Die ovale Dame. Magische Erzählungen (als Taschenbuch auch 1986), 1985 Ein Flanellnachthemd. Theaterstücke, 2008 der Erzählband Das Haus der Angst. Ende der 90er/Anfang der 2000er Jahre wurden des öfteren ihre Theaterstücke aufgeführt. Nun ist erneut ein Band mit in deutscher Sprache größtenteils noch unveröffentlichten Erzählungen, zwischen 1938 und den 1980er Jahren verfasst, erschienen: Die Windsbraut. Das Buch enthält auch eine Reihe farbiger Reproduktionen von Carringtons Gemälden, die in Deutschland bislang noch wenig bekannt sind.
Leonora Carrington, 1917 als Tochter eines schwerreichen Industriellen in Lancashire/England geboren, ist in der Hauptsache Malerin, begann aber schon mit 19 Jahren, Erzählungen und Theaterstücke zu schreiben. 1937 lernte die gegen ihr Upper-class-Milieu revoltierende junge Frau in London Max Ernst kennen, folgte ihm wenig später nach Paris und schloss sich der dortigen Surrealistengruppe an. 1938–1940 lebten Ernst und seine 'Windsbraut', wie er sie nannte, zusammen in Südfrankreich, doch der Ausbruch des Krieges trennte die beiden. Leonora erlitt einen psychischen Zusammenbruch, floh nach Spanien und wurde dort schließlich in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, wovon sie in dem beeindruckenden Text Unten berichtet. Über Madrid gelangte sie nach Lissabon und ging im Sommer 1941 von dort aus ins Exil: zunächst nach New York, Anfang 1942 nach Mexiko-Stadt, wo sie seither lebt, abgesehen von einigen Aufenthalten in New York und Chicago.
Besonders faszinierend sind die frühen, in Paris, Südfrankreich und New York entstandenen Erzählungen Carringtons. Oft autobiografisch gefärbt, präsentieren sie uns Mädchen oder junge Frauen, die sich heftig gegen ihre bürgerliche Umgebung, meistens personifziert in der Figur des Vaters, auflehnen. Sie setzen der rationalistischen Erwachsenenwelt die Phantasiewelt des Kindes, der 'Zivilisation' die 'Wildnis' entgegen. Von Beginn an beeinflussten irisch-keltische Märchen und Mythen Carringtons künstlerische Vorstellungswelt. Später, in Mexiko, beschäftigte sie sich intensiv mit verschiedenen okkultistischen Überlieferungen und mit außereuropäischen Philosophien, Religionen und Mythen, eine Tätigkeit, die ihr Malen und Schreiben ebenfalls grundlegend prägte. Das Leitmotiv ihrer vielfältigen Studien und ihrer bildkünstlerischen und literarischen Arbeiten war und ist die Suche nach Alternativen zum westlichen Denken, insbesondere im Hinblick auf die für sie evidente Tatsache, dass die spezifisch weiblichen Kräfte und Werte im Laufe der Jahrhunderte durch eine patriarchalische Dominanz, die namentlich auf das Christentum zurückgeht, unterdrückt und verschüttet wurden. Dieses 'Ewig-Weibliche' wiederzuentdecken und künstlerisch darzustellen, ist das zentrale Motiv, das hinter Carringtons Malerei und ihren erzählerischen und dramatischen Texten steht.« [Text: Heribert Becker]
Autor: Gerhard Habarta
Mehr als 1.000 Künstlerbiographien aus den Bereichen Surrealismus, Automatismus, Comic-Kunst und Graphic Novel, Dadaismus, Digital Art, Fantasy, Feinmalerei, Gothic Art, Informel, Irrationalismus, Phantastischer Realismus, Symbolismus, Tromp l’OEil, Visionär Art.
»Ohne Rücksicht auf die traditionellen Definitionen wurde alles erreichbare Material über alle Maler, Grafiker, Bildhauer, Fotografen, Digital-, Comic- oder Baukünstler mit phantastischen Elementen in ihrem Werk gesammelt. Es fanden sich mehr als 5.000 Biographien in nahezu 70 Ländern und dazu zahlreiche Künstler, von denen man kaum mehr kennt als Teile ihres Werkes. Und es kann gefolgert werden, dass es noch viele für uns unsichtbar gebliebene gibt. Manche Angaben sind fragmentarisch, weil kaum recherchierbar, auch wenn das Internet und ein paar tausend Dokumente, Kataloge und Bücher mehr als hilfreich waren. Sie gehen an das in Gründung befindliche Archiv phantastischer Künstler I.F.A.A.«
von Alexander Graeff
»Alexander Graeff dringt an unbequemen Lücken in die abendländische Kulturgeschichte ein und zeigt, dass es nicht-duale Vorstellungen von Gott und der Welt genauso gegeben hat wie die dualen, die descartschen.
Gewiss sind diese Vorstellungen marginal, aber sie können gerufen werden! Denn Graeff philosophiert nicht nur, er meditiert, ruft herab und heraus: Sein Geist ist die Figur des Gottmenschen, den niemand wirklich zu kennen scheint und doch aus den allzu klaffenden Lücken abendländischer Kultur herausstarrt. Graeffs literarischer Blick auf diese Figur ist schief, surreal, doch die Ergebnisse höchst zukunftsfähig! ...« >>> weiter
André Breton – Bindestrich
Texte 1952–1965
Herausgegeben && übersetzt von Heribert Becker
Aachen (Rimbaud-Verlag) 2008
Der 138 Seiten umfassende Band enthält verschiedene, deutsch bislang noch nicht erschienene Texte des »Erzsurrealisten« André Breton: Essays, Aufsätze, Vor- und Nachworte, Reden und ein Interview, ferner ein Vorwort von Sarane Alexandrian und ein Nachwort des Herausgebers. Dieser betont, daß der Verfasser so epochemachender Bücher wie Manifeste des Surrealismus, Nadja, Amour fou und Arcane 17 auch in seinen kleinen Schriften präsent ist als das, was er laut Octavio Paz jahrzehntelang war: »eines der Gravitationszentren unserer Zeit«. Und Becker zitiert Eugène Ionesco, der nach Bretons Tod 1966 schrieb: »Ich stelle ihn auf eine Stufe mit Einstein, Freud, Jung oder Kafka. Mit anderen Worten, ich betrachte ihn als einen der vier oder fünf großen Reformer des modernen Denkens.«
Egon Günther – Souvenirs & Leftovers
»Es gibt keine ernstzunehmende Literatur, die nicht politisch ist. Auch naturverbundene Lyrik sollte es sein. Ist es aber nur selten. Die Gedichte in Egon Günthers letztem Lyrikband verbinden beide Komponenten in vorbildlicher Weise. Der spiessigen „Teufelsbrut“ der deutschen Sensenmänner, die in ihrem Sauberlandgarten jedes Kraut (Günther nennt Hainbuche, Pfaffenhütchen, Gänseblümchen, Klee, Buchs, Liguster, Schneebeere, Brennnessel, Rupertskraut, Esche) mit Stumpf und Stiel ausrotten, wünscht er verderben. Homerische Wendungen („fest hielten wir Kurs auf/ Westen und zur Lammzeit/ kamen wir nach Irland“), mythologische Bilder („die weltenschlange“, „verstört wirbeln die drachen in/ den lüften“), sprachspielerisches („‘juhu!‘ rufende jubelperser/und nach luft japsende janitscharen“) und globales Wissen contra bayerische Heimat („der Leuchtturm von Holyhead“ contra „von der Alltagsfron im Pfaffenwinkel“) wechseln einander in gekonnter Gewichtung ab. Als sehr lesefreundlich wird vermerkt, dass Günther abgelegene Sachverhalte durch erläuternde Fussnoten beleuchtet. Das ganze Bändchen hat einen durchgehend angenehm fliessenden Rhythmus aus Revolte, Stille, Wut, Kontemplation, Natur, Aggression, Hoffnung.« Hartmut Geerken
Am 16. Dezember 2009 ist in seiner Heimatstadt Genf der frankophone Schweizer Dichter Alain-Pierre Pillet, Jahrgang 1947, gestorben.
Pillet, Lyriker, Theaterautor und Gründer des Verlags "Les Iles Célèbes", stand dem Surrealismus sehr nahe. Seine Bücher wurden u.a. von den surrealistischen Künstlern Robert Lagarde, Hervé Télémaque, Jean Terrossian und Christian d'Orgeix illustriert. Er figuriert in der 3. und 4. Auflage der umfangreichen Lyrik-Anthologie Das surrealistische Gedicht, Frankfurt/M. 2000 und 2005.
Einige Publikationen Pillets: Comètes [1982], André Breton à Venise [1984], Venezia Traviata [19849], La Beauté sur la terre [1994], Les Dangers de la route [1995], La Maison de verre [1996], L'Amour est une conquête de l'air [1999], Watt Mer I [2000], Watt Mer II [2001], Watt Mer III [2003].
Armer André Breton! Schon zu Lebzeiten musste er sich alle möglichen Beleidigungen und Verunglimpfungen gefallen lassen, ganz zu schweigen von den Entstellungen seines Denkens, die natürlich dessen Wirkung mindern sollten. Nun sieht er sich mit der Mittelmäßigkeit von heute konfrontiert ... Weitere Infos
ANDRÉ BRETON IN DEN HÄNDEN VON INVESTOREN UND SPEKULANTEN
»Die Vereinigung der Freunde Benjamin Pérets verfügt seit Sommer 2007 über eine von Gérard Roche konzipierte Website. Nach der seit 1995 abgeschlossenen Publikation der Œuvres complètes Pérets ist die Einrichtung dieser Seite sicher eine neue, wichtige Etappe im Bewahren der Erinnerung an diesen großen surrealistischen Dichter...« Weitere Infos
Bisher erschienene Newsletter: No 1 [1/2004]
No 2 [12/2004]
No 3 [7/2006]
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