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EGON GÜNTHER

Bilder & Gedichte


Egon Günther, Anahac

Anahuac


Egon Günter, Aphrodite der Naturvölker

Aphrodite der Naturvölker


Egon Günter, Konzil der Großhexer

Konzil der Großhexer


Abendlied

Abendlied


Im Namen der Tiefe

Im Namen der Tiefe


Legendary Texas Tales

Legendary Texas Tales

La joie de vivre

Sich an das sanfte Leben klammernd
wie an eine Reihung Basaltsäulen
die eine schwere Hand geordnet hat
Eine natürliche Angst
vor abgründigen Begegnungen
hindert den gelösten Gang
durchs freie Feld



Liebeselegie (liberum arbitrium)

Aus dem Geschmeide der Nacht
senkt sich ein Sternenhaar
in den Kelch meiner Augen
während ihre schwach schimmernde Seide
das selbstbewußte Standbild einer Frau verhüllt
die am Waldrand nach ihren Käuzchen ruft

Wie der Tau flüchtige Zierde eines noch jungen Tages
Perlenfäden zieht an Orten die ein düsteres Verlangen
   bewohnt
setzt deine durch Salzkristalle gefilterte Aura
dem dräuenden Sturmdunkel helle Sprenkel ein
Im Umschwung deiner Launen
geraten die klapprigen Tage ins Straucheln
und bei der Gelegenheit nehmen wie von Geisterhand
   bewegte Stöcke
gehorsam eine neue Partie Karambolage in Angriff
mit den haltlosen Kugeln von Universen
die es seit jeher gewohnt sind
sich dem Gesetz des Zufalls zu beugen
das ohne Zweifel dein Gesetz ist
dem du steuerst mit einem Schmollen deiner
Lippen oder einer verstohlenen Bewegung deiner Hand
oder mit dem unkeuschen Signal deiner Brustspitzen
die eine ganze Folge von botanischen
   Entsprechungen kommandieren
Sonnenwendige Pflanzen und somnambule Geschöpfe
tanzen im gefiederten Gleichmaß deines Atems
Du schwingst dein starkes Szepter
selbst in jenen eisigen Regionen die von allen
Empfindungen
vor allem dem Schmerz vorbehalten bleiben
genau so wie über den vollendet trägen schwarzen
   Weiten
die bereits in Fäulnis übergegangen sind
Zuweilen streust du Blüten Sand und Eissplitter
in das Getriebe der Welt
Doch wenn du wieder mal voll Übermut
eine abgehetzte Mähre die auf den Namen Freier Wille hört
   über deren Rand scheuchst
erinnere dich an den freudlosen Clown deiner Träume
   jenen Troubadour
den du einst in Ketten geschlagen
und dann einfach auf ihrer Scheibe
   vergessen hast



heimatlüge

unermüdlich klappern die herdringe
im land der großen lüge
und in einen engen reif gefaßt
dämmert noch die welt voll halbwüchsiger
schläfer
in jeder morgenstunde geistern
schreckbilder selbstgerechter meister
durch die träume ihrer unbeholfenen
eleven



everybody knows this is nowhere

den zugang zu dem versprochenen land
meiner geburt
man verweigert ihn mir immer noch
doch du kehrst vielleicht dorthin zurück
im wachen oder im traum
schick mir ein lebenszeichen auf birkenrinde
und schildere mir alles was du dort siehst
spann den bogen
vom flußgrund der zeit
zum warmen widerschein
der kathedrale im abendlicht
und vergiß nicht einen scherenschnitt
anzufertigen
aller baumbekränzten hänge
im weiten blick
vor der glasmauer der berge
mal mir den see
noch betäubt vom kalten kuß der nacht
bevor der frühnebel aufsteigt
und an seinen ufern
ein rohes handwerk seine schneisen schlägt



Rede des Skalpjägers
(der Mannschaft eines Walfängerschiffs gehalten)

Die Mitte aller Welten ist das Nichts
das meiner Schöpfung Halt gibt

wie jegliche Geschichte
sie schneidet ihre Ordnung aus der Zeit

zu dunkler Sternenschatten Zier
zur Feier aller kalten Stunden
zum Auftakt eines neuen Spiels

allein sein noch ungeklärter Ausgang
verleiht dem Anfang das Spiralmaß
und dazu noch seinen weißen grausamen Sinn

versteh doch Maat: s' ist gleichwie ein Kettfaden der sich herausnimmt
aus einem Gefüge dessen wirres Muster ihn von je gestört

nimmt sich die Freiheit
vielleicht den blinden Schöpfer zu verdrießen
der diese Flucht mehr ahnt denn merkt

den Ausweg - wär's denn einer -
wähnt der Demiurg durch Einsicht gut versperrt

verflixt und zugenäht:
ich schlüg ihm gern ein Schnippchen
und tötete ihn ganz kalt

erwürgt ihn mit seinem eignen härenen Faden
mit dem darauf geschriebenen Sklavenleben
das solchen Haß in mir genährt

so hört ihr Leut: s'wär ein Aufstand kein Entrinnen
zum Umdrehen eines neuen Tags der sich vermeintlich rötet

gleichviel einen bessren Vorschlag
wer ihn wohl hätt zu machen
der gib ihn mir freundlichst jetzt gleich preis

ich zieh sonst blank
kenn keine Skrupel

bin ja ganz versessen auf eure Haut und euer Haar

sammle in meinem Beutel auch die schwarz verfärbten
Menschenohren

doch in Le Havre Freunde an jenem bestimmten Tag
ich schwör's beim Laut meiner geschminkten Lippen
war ich ganz sicher nicht

Ein alter Materialist: im toten Staub der Dörrkammer seines Intellekts, gegen jeglichen Lichteinfall abgeschirmt, raschelt er mit den wenigen ihm noch verbliebenen Dolden - wenn jetzt ein unversehener Gedanke zünden würde, nur ein kümmerliches Häuflein Asche kündete von dieser längst überlebten Existenz.

Die Visagen ihrer Henker such ich in den Augen der Gehenkten
in der Iris der Verrückten den Glanz von Gold in unserer Zeit
im Bachbett den achatnen Zeugen
gefoltert in einer meisterlichen Esse
in der ein glänzendes Geschirr dauerhaft der Schönheit angepaßt
spinnenglutenverzehrter Ort -
die Chrematologie weiß nichts davon
und die Säulenheiligen machen sich nichts daraus

- wo den Himmelskugeln Gebein und endliche Form gegossen
und worin ihnen Mantel und Faltenwurf auf den Leib gebrannt

Dazu am First der Welt vernehm ich den diskordanten
Ton der Sterne:
ihre Klage um den Verlust der Ausgewogenheit des Baus
rührt noch das geflammte Herzgestein
den tauben Kiesel
der solch eitle Suche unbeirrt begleitet
mit einem Schlag der stets zu wissen glaubt
obwohl er nichts erinnert
und ohnehin alles gleich kalt und freudlos kommentiert

tiranni ed oppressori ... das ist der Ruf zum Steinerweichen
es ist das Sehnen und das Zehren
das Rätsel der Romantik die geheime Mahnung jeder Stunde
es ist das nachhaltig wirkende Gift
das Zauberhaar der Dinge

das einen so stark entfremdet
dem Ursprung einer falschen Ordnung
dem Trugbild einer in der Zeit erschöpften Welt
um am Ende dann für eine Weile
die begehrte Absonderung eines entrückten Postens
zu erinnern

ein karger blanker Turm
kalt und unbestechlich wie eine Magnetnadel
die böse aus langer Dämmerung
über die Flut des Tages ragt
eine vereinsamte Spindel so weitabgelegen
gehüllt in Brand und Rauch

es glimmt auf seinem verwaisten Ginsterrücken
das alte wilde Auge der Natur
Kompaß der ganz unverwandt nach Norden schaut
hyperboreische Region im Glanz der Sagen
wo ein lichter Himmel auf ewig hin die Prophezeiung der Nacht umgarnt
und eine wirre kopflose Bettlerin dazu veranlaßt
unerhörte Worte in den Sand zu schreiben:

schön wie das unerwartete Aufeinandertreffen von Kant und Swedenborg
vor dem Mast eines Linienschiffs
- sie werden einander nichts schuldig bleiben noch sich selbst betrügen
in dieser nachtlosen Nacht -
schön wie ein vollständiger Mensch
der aus den Wolken fällt



In der Kalmenzone meines Herzens
die ein Dreieck bildet
dessen Schenkelspitze
aus den Bergen weist
auf die Haltestellen eines Krieges
der nun schon seit Ewigkeiten in Gang ist
lagert der Schlüssel zu einer Offenbarung
die noch zu jeder Zeit willkommen war



Weit abgeschieden
talfern in ortloser Ungebundenheit
ein Trachten das unversöhnlich bleibt -
wer je sein Brot in Freiheit aß
dem wehrt so leicht keiner mehr
den Blick auf Borromäische Inseln
und andere Kostbarkeiten



unterwegs -
er bricht das brot der armen
städte breiten sich vor ihm aus
oder steigen empor aus der ebene
verhärmter glanz einer anderen
einer unwiederbringbaren zeit
in der das wort landstraße
wie von selbst
magische bilder bereit hielt
vom stillstand unter der sonne
und von wogenden weizenfeldern
auf augenhöhe
mit denen hungrige blicke
mühelos schritt halten konnten



Die Nacht von San Lorenzo ist wohl makellos
dennoch geizt sie etwas
mit dem Schauspiel ihrer Tränen
und schafft damit ein Menetekel
in einer bald gänzlich zum Zeichen geronnenen Welt

© Egon Günther



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