ERVIN LÁZÁR
Aus dem Ungarischen von Kristóf Szabó
Pferd im Haus
Zeugen fanden sich mehrere. Ein Blaupflaumenhändler,
ein Wohnblockaufseher, ein Beuteaufkäufer, ein Stubenpilzmeister und ein
Ladearbeiter. Alle haben das Pferd gesehen. Bis zur Brust im Unkraut kam es aus
der Richtung des alten Müllplatzgeländes. Sie beide (der Mann: wie eine
Tanne, neben ihm der kleine Fratz: wie ein Kopfnagel), standen auf dem Betonpflaster
der Óhegy Strasse und begannen, Freudenschreie auszustoßen. Daraufhin
fiel das Pferd in Trab. Der Stubenpilzmeister sagt, es habe auch Freudenschreie
ausgestoßen. Nämlich das Pferd. Auf dem Fahrkörper schlossen sie
sich in die Arme. Der Tannenmann, das Kopfnagelkind und das Pferd. Laut Blaupflaumenhändler
habe auch das Pferd den Mann und das Kind in die Arme geschlossen.
Den hauptamtlichen
Ermittlungskommissar interessierte das nicht. - Nebensache -, sagte er. Auch die
Farbe des Pferdes interessierte ihn nicht, schon allein aus dem Grunde nicht,
weil alle Zeugen etwas anderes behaupteten. Der Blaupflaumenhändler sagte:
apfelgrau, der Wohnblockaufseher: braun, laut Beuteaufkäufer gelb, der Stubenpilzmeister
sah es schwarz. Der Ladearbeiter schwor, dass es blau war.
- Blaue Pferde
gibt es nicht -, sagte der hauptamtliche Ermittlungskommissar. Dies ist allerdings
gewiss, dass jene - der Tannenvater, das Kopfnagelkind und das Pferd -, freundlich
nach Hause lostrotteten. Das behaupteten die Zeugen einstimmig. Das Pferd war
nicht gehalftert, es trottete zwischen dem Kind und dem Mann einher. Sie unterhielten
sich. Oder zumindest behauptete das der Ladearbeiter. Sie kamen vor das Mietshaus,
zogen über die Treppen hinauf. Vorne das Kind, hinter ihm das Pferd, dann
der Mann. Sie polterten den Außengang der zweiten Etage entlang und marschierten
in die Wohnung. - Und sie donnern, jauchzen, wiehern und poltern -, sagte
streng der hauptamtliche
Ermittlungskommissar.
Die Zeugen nickten. Der
Ermittlungskommissar klingelte um die Mittagszeit an der Tür der Wohnung. -
Sie halten ein Pferd im Haus! Das Kopfnagelkind - es reichte seinem Vater bis
zum Schenkelansatz - und der Tannenmann schauten sich an. Um ihre Augen liefen
gutartige Runzeln. Auf dem Gesicht des kleinen Fratzen vertieften sich zwei Gruben.
- Hier? Pferd? -, mimten sie im Chor, und strotzten fast vor Glück.
Der
hauptamtliche Ermittlungskommissar schob sie mit einer schönen, runden Gebärde
zur Seite und trat in das Vorzimmer. Er schnupperte durch die Luft.
- Pferdegeruch!
-, sagte er triumphierend. - Wo halten Sie´s?
Tatsächlich, im Vorzimmer
gab es einen kernigen Pferdegeruch.
Der Tannenvater protestierte. - Aber!
Es ist doch verboten. Was glaubt der Herr Ermittlungskommissar, dass wir
ein
Pferd halten auf der zweiten Etage eines Mietshauses?
- Ein apfelgraues! -,
rief der Ermittlungskommissar.
- Ah! -, sagten diese. Der Tannenmann ah-te
über dem Kopf des Kommissars, das
Kopfnagelkind um seine Knie herum. -
Braun!
- Oh! -, so der Chor.
- Gelb!
- Ah!
- Schwarz!
- Oh! -,
die Stimme von unten und oben.
Die Augen des Kommissars verengten sich, zogen
sich im Pferdegeruch zusammen.
- Blau? -, fragte er erschrocken.
Um ihre
Augen wieder gutartige Runzeln.
- Blau? Blaue Pferde gibt es gar nicht -, sagte
die Tanne.
- Ein blaues Pferd, das bläut - sagte das Kind.
Sie flogen.
Über den Kopf des Kommissars hinweg, tausend Lichtjahre weit. Und der trabte
durch die Wohnung. Durch die Küche, durch die Kammer, durch das kleine Zimmer,
durch das Badezimmer, durch das große Zimmer. Er fand kein Pferd. - Es
riecht nach Pferd -, brüllte er, und aufs Neue setzte er an zum Galopp. In
der Küche zog sich eine blaue Mähne in die Mauer zurück. Bis er
hingriff, war nichts mehr da. Im Zimmer erstrahlte ein blaues Pferdeauge, in der
Kammer ein blauer Huf, im Badezimmer eine blaue Ferse und im Vorzimmer eine blaue
Hanke. Alles leuchtete auf und verschwand.
Als ob er auch ein blaues Wiehern
gehört hätte.
Er fand kein Pferd.
- Sie suchen es vergebens -,
sie sehen es ja; in eine Streichholzschachtel konnten
wir es nicht stecken
-, sagte der Tannenvater.
- Und doch ist es auch im Salzfässchen -, kicherte
das Kopfnagelkind.
Erneut begann der Oberkommissar umherzurennen. Er wollte
zur gleichen Zeit alle Räume betreten. Er fand nichts.
- Amtlich stelle
ich fest -, sagte er grimmig -, dass sich im Haus kein Pferd befindet.
Er lief
die Treppe hinunter. Auch auf der Straße lief er weiter, er traute sich
nicht, nach hinten zu sehen. Er wusste, in einem Fenster der zweiten Etage würde
er drei Köpfe sehen. Den Kopf eines Kopfnagelkindes, den Kopf eines Tannenmannes
und den Kopf eines blauen Pferdes.
Um Himmels Willen! Pferd im Haus!
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